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Die Musiker Haben ihre Bierkrüge immer unter die Stühle gestellt. Günter Kawlath
Meine Frau hatte immer ihr Friseurbesteck dabei. Fredi Söllner
Bei schönem Wetter war immer die Hölle los. Georg Purucker
So ein Jubiläum gibt es sicherlich nicht nochmal. Raimund "Jim" Schramm
Beim Pressegespräch mit Helmut Engel erzählten sie aus vergangenen Zeiten. Das Bild zeigt (vorne von links) Obmann Georg Purucker, Hildegard und Günter Kawlath, Karl "Fredi" Söllner, Schriftführerin Juliane Meisel, und (dahinter stehend) zweiten Vorsitzenden Raimund Schramm.

Treue Musikanten blasen wieder zum Fest

Zum 50. Mal spielt der Musikverein Marktleugast am Münchberger Wiesenfest. Da gibt es viel zu erzählen. Zum Beispiel, dass früher viel mehr getrunken wurde als heute.

Bericht von Helmut Engel vom 04.07.2015 in der FRANKENPOST

Münchberg/Marktleugast - Ein besonderes Jubiläum gibt es beim Münchberger Wiesenfest zu feiern: Der Musikverein Marktleugast spielt hier zum 50. Mal in Folge. "Dass eine auswärtige Kapelle 50 Jahre bei einer Traditionsveranstaltung wie dem Münchberger Wiesenfest spielt, gibt es sicherlich nicht nochmal", meint der zweite Vorsitzende des MVM, Raimund "Jim" Schramm.

1964 hat das Blasorchester zum ersten Mal in Münchberg gespielt, anlässlich der 600-Jahr-Feier. "Wir sind damals kurzfristig für die Stadtkapelle Ruckdeschel eingesprungen", erzählt Günter Kawlath, ein früherer Stammbacher, der seit vielen Jahren in Münchberg wohnt. Von den damaligen Musikern leben heute außer Kawlath noch Max Pittroff, ebenfalls aus Stammbach, und Werner Bunzel aus Weißdorf.

Offenbar haben die Marktleugaster ihr Münchberger Publikum so beeindruckt, dass sie ein Jahr später zum Wiesenfest engagiert wurden. "Und dieses Engagement hat sich um Jahr zu Jahr verlängert", sagt Vorsitzender Georg Purucker. "Wir sind glücklich über diese Treue." Schließlich sei Münchberg das "Highlight in der Bierzeltsaison, das ist schon etwas ganz Besonderes, wenn man am Samstagabend und am Sonntagmittag mit den Festzügen durch die Massen von Menschen marschiert."

Schon vor 50 Jahren gehörte der MVM zu den besten Blasorchestern der Region, "da waren viele ehemalige Militärmusiker aus dem Zweiten Weltkrieg dabei", weiß der Vorsitzende. Auch der Leiter Robert Hofmann war Militärmusiker gewesen. Er hatte sich bemüht, in Münchberg eine Kapelle aufzubauen, was aber nie klappte. Die Musiker, die er bis dahin angeworben hatte, brachte er dann mit zum Musikverein Marktleugast. So erklärt sich, warum damals so viele Musiker aus dem Münchberger Umland in der Kapelle spielten. "Und das weit bis in die Achtziger."

In 50 Jahren sind viele "Gschichtla" passiert, an die sich die alten Musiker Günter Kawlath, Fredi Söllner aus der "Katz", der Vorsitzende und sein Stellvertreter gerne erinnern. Früher fand vor dem Münchberger Wiesenfestumzug am Sonntagvormittag immer die Abholung des Helmbrechtser Schützenkönigs statt, da blieb immer sehr viel Essen übrig, erzählt Purucker. "Wir hatten immer einen alten Lederkoffer dabei, der wurde mit Schinken, Pressack, Leberkäs und allem, was noch da war, gefüllt." Gegessen wurde am Abend hinter dem Pavillon am Freiausschank. Früher hat der MVM nämlich nur am Freiausschank gespielt. "Bei schönem Wetter war die Hölle los, da waren 500 bis 700 Leute da, bei schlechtem Wetter spielte die Kapelle im Schützenhaus, da hat sich für uns niemand interessiert; alle waren im Bierzelt", erinnern sich die Alten, "nur der Bürgermeister ist immer mal vorbeigekommen und hat Bier und Brotzeit gebracht." Zu Zeiten von Bürgermeister Ewald Zuber hat sich am Montagnachmittag die Kapelle geteilt, ein Teil war im Altenheim und hat dort mit den Senioren und dem Bürgermeister Wiesenfest gefeiert. Im letzten Jahr hat Bürgermeister Christian Zuber die alte Tradition wieder aufleben lassen.

Früher sei viel mehr getrunken worden als heute. "Da standen nach dem Festzug Maßen und Schnapsseidla auf der Bühne." Einmal war es so heiß, dass jeder schnell nach Flüssigem griff. Ein Musiker nahm an, er habe ein Glas Mineralwasser in der Hand, und setzte kräftig an. Aber es war Schnaps. "Der Mann konnte keinen Ton mehr spielen." Oft machten sich die Leute einen Spaß daraus, die Musiker betrunken zu machen. "Beim Einzug am Abend sind sie nicht selten kreuz und quer gelaufen." Günter Kawlath erinnert sich, dass die Musiker ihre Maßen immer unter dem Stuhl stellten. "Einmal mussten sie feststellen, dass die Krüge leer waren: Da hatten sich die Jugendlichen hinterm Zelt versteckt, mit Hornstöcken die Krüge weggezogen und die leeren zurückgestellt."

Die Rache der Musiker war fürchterlich, sie "präparierten" das Bier, und die "Gunga" kämpften am nächsten Tag mit Durchfall.

Als trinkfest erwies sich die Plauener Kapelle, die 1990, nach der Wende, beim Wiesenfest mitspielte. Weil sie nur wenige Musiker waren, leihten sie sich von den "Leuchertzern" den Trompeter Alfred Föhn aus. "Die waren so besoffen, dass sich unser Alfred geschämt hat", blickt Raimund Schramm zurück.

Ein etwas wilder Zeitgenosse war der "Posaunenengel" Christian Hofmann, der nur selten einen Friseur aufsuchte. Nur beim Münchberger Wiesenfest bekam er jedes Jahr einen Haarschnitt verpasst. Ilona Söllner, die Frau des Schlagzeugers Fredi Söllner, hatte immer extra ihr Friseurbesteck dabei. "Im Bauwagen der Bauhofmitarbeiter wurden dann jahrelang dem Christian zum Wiesenfest die Haare geschnitten."

Am stärksten war die Kapelle in den 70er- und frühen 80er-Jahren. Da spielte auch die Jugendkapelle mit bis zu 86 Jugendlichen im Festzug mit. Heute sind noch Rüdiger und Udo Hübschmann, Josef Löffler, Heinrich Rauh, Fredi Söllner, Raimund Schramm und Obmann Georg Purucker dabei.

"Es war in den 90ern", schildert Raimund Schramm, "da hatte nur Werner Bunzel ein Handy. Als Bestatter musste er erreichbar sein. Einmal hat während des Auftritts das Handy geklingelt. Werner hat sein Instrument weggelegt und war für zwei Stunden verschwunden. Als er zurückgekehrt ist, hat er seine Tuba wieder genommen und weitergespielt. Später haben wir ihn gefragt, was los war, und Werner hat erzählt, dass sich jemand aufgehängt und er ihn mit dem Taschenmesser herunter geschnitten hat."

Früher war die Kapelle immer mit einem Bus eines Unternehmens unterwegs. "Heimwärts wurden dann immer die Fehler heiß diskutiert", verrät Purucker, der sich an eine ganz besondere Fahrt erinnert. Wie so oft zum Wiesenfest war wieder einmal ein wichtiges WM-Fußballspiel. Am Montagabend nach der Abschlussveranstaltung trieb der Fahrer die Musiker an, schnell einzusteigen, weil er rechtzeitig zum Spiel daheim sein wollte. "In nicht einmal zehn Minuten ist der von Münchberg nach Marktleugast gefahren. An diesem Tag hat im Bus niemand ein Wort geredet", schildert der Obmann die Schreckensfahrt.

Münchberger sind hart im Nehmen: Obwohl es bei den Festzügen oft regnete, wurde der Zug nur einmal abgesagt. "Vor drei Jahren;", erzählt Purucker. Nur der Stadtrat und wir sind zum Festplatz gezogen. Wir mussten ja sowieso hin."